
Allergien gibt es viele. Es vereint sie ein Merkmal: auf eine harmlose Substanz, auf ein prinzipiell harmloses Gift, reagiert der Körper überschießend. Er gerät in Panik und es kann teils zu lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen kommen, die unbedingt mit Notfallmedikamenten behandelt werden müssen. „Neben Inhalationsallergenen (wie aktuell beispielsweise Erle, Hasel oder Birke) spielen auch Insektengifte eine bedeutende Rolle und müssen als potenzieller Auslöser schwerwiegender allergischer Reaktionen betrachtet werden“, sagt Univ.-Prof. Dr. Bernd Lamprecht, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin 4 - Pneumologie am KUK sowie Kurienobmann-Stv. der angestellten Ärzte in der Ärztekammer für Oberösterreich. Stiche von Bienen, Wespen, Hummeln und Hornissen zählen da dazu. Da es im Laufe der nächsten Wochen und Monate wärmer und schöner wird, häufen sich im Freien auch die Konfrontationen zwischen Menschen und herumschwirrenden Insekten.
Allergie-Testung vorab wird nicht empfohlen
Nicht jeder ist auf alle Insekten (gleichermaßen) allergisch. Die häufigsten Fälle gibt es bei Bienen- oder Wespenstichen. Wer allerdings eine Bienengiftallergie hat, muss nicht unbedingt auch eine Wespengiftallergie haben. „Und selbst wenn gegen beide Gifte eine Allergie besteht, so heißt es nicht, dass eine Reaktion gegen Bienen und Wespen gleich heftig ausfällt – die Reaktion ist immer abhängig vom Immunsystem und letztendlich von der Allergie der Patientin bzw. des Patienten“, sagt Univ.-Prof. DDr. Wolfram Hötzenecker, MBA, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie am Kepler Universitätsklinikum Linz. Viele Personen sind noch nie von einer Wespe oder Biene gestochen worden. Sie wissen daher nicht, ob sie eine Allergie haben oder nicht. Davon, sich prophylaktisch testen zu lassen, raten viele Allergologen ab. „Im Falle eines Stichereignisses sollte eine Insektenallergie erst ab einer generalisierten Reaktion abgeklärt werden“, rät DDr. Hötzenecker.
Generalisierte Reaktion
Der Begriff der generalisierten Reaktion sagt nichts anderes, als dass die Reaktion über eine Überempfindlichkeit hinaus geht, den ganzen Körper betrifft und nicht nur lokal bleibt. Also, wenn etwa der gesamte Arm oder das Bein geschwollen ist, braucht man sich noch kein Kopfzerbrechen machen. „Erst ab einer Reaktion, die den ganzen Körper betrifft – wie zum Beispiel Nesselausschlag am gesamten Körper, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bis zum Kollaps – sollte neben der Notfallbehandlung in der Folge eine allergologische Abklärung erfolgen“, sagt DDr. Hötzenecker.
Doch was können Insektenallergiker tun?
Prinzipiell sollten Sie den Risikosituationen ausweichen, bei denen es erneut zu Stichen kommen kann. Das ist nicht immer einfach umsetzbar. Im Notfall können nach einem Stich aber antiallergische Medikamente und Adrenalin, die der Patient selbstständig mit einem Autoinjektor spritzt, gut schützen. Das ist für den Notfall. „Die Allergie selbst lässt sich durch eine Desensibilisierungstherapie sehr gut behandeln. Diese dauert etwa drei bis fünf Jahre und schützt in circa 80 bis 90 Prozent der Fälle vor einer weiteren allergischen Reaktion nach einem Insektenstich“, erklärt DDr. Hötzenecker.
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